Warum so viele Brücken marode sind – und ersetzt werden müssen

Diese Grafik stellt den Querschnitt einer Brücke dar.

Rund 40.000 Brücken führen die Autobahnen und Bundesstraßen in Deutschland über Flüsse, Täler, Bahnlinien und andere Straßen. Jede von ihnen wird regelmäßig gründlich untersucht – alle sechs Jahre prüfen Ingenieurinnen und Ingenieure, ob eine Brücke standfest, verkehrssicher und dauerhaft ist. Dabei zeigt sich: Der Zustand vieler Brücken verschlechtert sich zunehmend. Fast zwölf Prozent der Brückenflächen sind laut Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in einem kritischen oder ungenügenden Zustand. Sie müssen dringend instandgesetzt oder erneuert werden.

Das betrifft insbesondere ältere Bauwerke: Viele der Brücken wurden bereits in den 1960er und 1970er Jahren erbaut und sind in die Jahre gekommen. Auch in Nordrhein-Westfalen sind zahlreiche Brücken marode und sanierungsbedürftig: Hier befindet sich jeder fünfte Quadratmeter Brückenfläche des deutschen Fernstraßennetzes. Einige Brückenbauwerke müssen sogar ersetzt und neu gebaut werden. In Bonn betrifft das beispielsweise den Tausendfüßler, das Endenicher Ei und die Rheinbrücke Bonn-Nord.

Wie steht es um die Bonner Brücken?

Viele Brücken kommen aufgrund jahrzehntelanger Belastung in ein kritisches Alter. Nachdem einige Brücken während des Zweiten Weltkriegs zerstört wurden, erforderte der rasche wirtschaftliche Aufstieg in Westdeutschland einen zügigen Ausbau des Verkehrswegenetzes – und somit auch einen Bauboom für Brücken. Fast die Hälfte der Brückenflächen an deutschen Autobahnen wurde in den 1960er und 1970er Jahren erbaut. Die Friedrich-Ebert-Brücke, die als A565 den Rhein im Norden Bonns quert, wurde beispielsweise im Juni 1967 für den Verkehr freigegeben und hält somit schon seit mehr als einem halben Jahrhundert der Belastung stand.

Das seit Jahren wachsende Verkehrsaufkommen übertrifft bei den meisten Brücken bei weitem die Lastannahmen, von denen die Planungen beim Brückenbau ausgingen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Bonner „Tausendfüßler“: Die Hochstraße wurde in den 1950ern noch als Bundesstraße und Ortsumgehung geplant und gebaut. Erst im Jahr 1971 wurde der Streckenabschnitt zur Bundesautobahn umgewidmet. Beim Bau des „Tausendfüßlers“ rechnete man noch mit einem durchschnittlichen Verkehrsaufkommen von 60.000 Fahrzeugen am Tag – damals eine großzügige Annahme. Heute werden täglich rund 90.000 Autos und Lkws gezählt (Stand 2015). Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass der Verkehr bis 2030 auf 115.000 Fahrzeuge täglich ansteigen wird. Auch einen Standspur gibt es aktuell nicht.

Bei den regelmäßigen Bauwerksprüfungen werden Zustandsnoten von 1,0 bis 4,0 vergeben. So steht es laut Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) um die Brücken an deutschen Fernstraßen:

•    Gut zwölf Prozent der Brückenflächen an Autobahnen und Bundesstraßen befinden sich in einem sehr guten oder guten Bauwerkszustand. Ihre Standsicherheit und Verkehrssicherheit sind gegeben. Die Brücken werden laufend unterhalten und regelmäßig untersucht.

•    Rund drei Viertel der Brückenflächen wurden zuletzt als befriedigend oder noch ausreichend bewertet. Ihre Standsicherheit ist gegeben, ihre Verkehrssicherheit kann aber beeinträchtigt sein. Das bedeutet: Zumindest kurz- bis mittelfristig bedarf es hier einer Instandsetzung.

•    Um knapp zwölf Prozent der Brückenflächen steht es schlecht – ihr Zustand gilt als nicht ausreichend oder ungenügend. Die Standsicherheit und/oder die Verkehrssicherheit ist beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben. Diese Brücken müssen umgehend instandgesetzt oder sogar ersetzt werden.

Quelle: Bundesanstalt für Straßenwesen, Brückenstatistik März 2020

Was lässt Brücken altern?

Brücken haben eine begrenzte Lebensdauer. Dafür sind vor allem folgende Gründe entscheidend:

  • Ermüdung: Brücken sind über Jahrzehnte großen Belastungen ausgesetzt, die den Baumaterialien wie Stahl und Beton stark zusetzen. Je öfter ein Bauwerk von Fahrzeugen überquert wird, desto schneller ermüdet es. Besonders stark wirkt sich der Schwerlastverkehr aus: Man geht davon aus, dass ein mittelschwerer Lkw eine Brücke so stark schädigt wie 60.000 Pkw.
  • Witterungsbedingungen: Auch der Wetter und andere Umwelteinwirkungen machen Brücken zu schaffen. Eindringendes und gefrierendes Wasser kann beispielsweise zu nachhaltigen Schäden an der Brückenkonstruktion führen.
  • Verkehrsaufkommen: Ein entscheidender Faktor für das rasche Altern von Brücken ist das Verkehrsaufkommen – das steigt seit Jahrzehnten stetig an, überschreitet die ursprünglichen Lastannahmen und bereitet den Brücken heute ernsthafte Tragfähigkeitsprobleme.
Sanierung oder Ersatzbau?

Brücken weisen je nach Bauart unterschiedliche Defizite auf, die in einigen Fällen durch die Sanierung oder Verstärkung ganzer Brücken oder einzelner Bauteile abgemindert werden können. Gerade älteren Brückenbauwerken aus den 1960er und 1970er Jahren fehlt es aber an der nötigen Robustheit, um dem heutigen Verkehrsaufkommen auf lange Sicht standzuhalten. Eine Sanierung der Bauwerke wäre zudem in vielen Fällen nicht wirtschaftlich. Diese Brücken sollen zeitnah durch zukunftsfähige Neubauten ersetzt werden.

Gleichzeitig bieten Sanierungen oder Neubauten von Brücken auch Chancen: Die Bauwerke können den heutigen Umweltstandards angepasst werden und ökologischer gestaltet werden – beispielsweise durch den Bau von Regenrückhaltebecken und die Filterung von Straßenabwässern.